Ein Herz für Toni

Gestern habe ich mich auf den Weg gemacht, um für Toni ein Gesteck zu besorgen. Es war ein Herz. Ich fuhr extra nach Schöneberg.
Heute Mittag kämpfte ich mich zu seinem Grab. Ich dachte schon, dass ich es nicht finden würde, aber da irrte ich mich. Es hatte nämlich geschneit, aber die 4 kleinen Steine fand ich sehr schnell, die mir das Grab markierten. Außerdem lag nur noch Schnee auf dem Rasen.
Mir geht es relativ gut heute. Ich dachte, es würde schlimmer werden.
Nun ist es ein Jahr her als Toni starb und in diesem Jahr habe ich sehr oft an ihn gedacht und von ihm geträumt. Ich glaube von den 365 Tagen die wir im Jahr haben, habe ich mindestens 150 Mal von ihm geträumt. Am Anfang war ich traurig darüber, später habe ich mich darüber gefreut, vieles nocheinmal mit ihm zu erleben. Nun bin ich wieder hin und her gerissen. Oft habe ich auch deswegen Depressionen gehabt. In den Sommerferien war das ganz schlimm. Die 6 Wochen habe mich bald wahrnsinnig gemacht. Ich hatte fast jeden Tag in den Sommerferien von meinem Toni geträumt. Und dann bekam ich ein Buch, was auch das Thema Tod behandelte. Es zog mich noch mehr runter und führte mir die Realität wieder vor Augen. Wie Toni starb,... Aber ich zwang mich es weiter zu lesen!
Es gab immer wieder Situationen in diesem Jahr, die mich sehr traurig stimmten. So sah ich z.B. ein Mädchen, die mit ihrem Hund spielte. Sie schien glücklich zu sein. Sie tobte mit ihrem Hund rum,... Gönnte ich ihr das Glück etwa nicht?
Ich konnte auch eine Zeit lang keine anderen Tiere mehr sehen. Mit Alex (einem Hund meiner Tante) z.B. sollte ich kurz nach dem Tod von Toni spatzieren gehen. Ich konnte das aber nicht und ich weiß noch wie ich damit genervt wurde.
Kurz nach dem Toni gestorben war, meinte ich zu meinen Eltern, dass der Käfig ja nun weg könne. Worauf sie meinten, dass ich ihn ja wegschmeißen könne. Das tat ich aber nicht. So blieb er über Wochen oder sogar Monate im Keller stehen. Und wann immer ich runter ging, begebnete ich diesen leeren Käfig, von dem sich keiner richtig trennen konnte. Er sah immernoch so aus, wie an dem Tag als er verstarb. Das Spielzeug war raus. Man sah nur noch die 3 Stangen und den Sand, die Futternäpfe. Das wars!
Irgendwann kam der Käfig dann aber doch weg und ich retete mir noch den Futternapf mit dem Inhalt. Er steht immernoch auf meinem Fensterbrett.
Toni's Handtuch, womit er immer abgedeckt wurde, wurde leider von meiner Mutter gewaschen. Ich hätte es gerne mit seinem Geruch behalten.
Auch das letzte Futter sollte nun weg. Meine Mom stellte mir ein Ultimatum. Es sollte innerhalb einer Woche weg sein, sonst würde sie es wegschmeißen. Ich gab das Futter einer Freundin und lernte wenig später ihre Wellensittiche kennen und wünschte mir meinen Toni wieder zurück.
Vor kurzem wurde ein Wellensittich gefunden. Auch diese Situation stimmte mich sehr traurig. Weil es ein sehr zarmer Wellensittich war und nicht wieder an seinen Besitzer zurück gegeben wurde. Die Story könnt Ihr bei Interesse in meinem Blog nachlesen. Die Überschrift lautet: "Tag der offenen Tür an meiner Schule und Tag der offenen Käfigtür" - oder so ähnlich.
Als mein Bruder in diesem Jahr Geburtstag hatte, gingen wir essen. Auf dem Weg zum Restaurant bemerkte mein Bruder, dass wir doch alle in schwarz gekleidet seien und er fragte, ob wir zu einer Beerdigung gehen würden. Daraufhin fiel Mom ein, dass wir ja bald Gestecke für die Gräber kaufen müssten. Und da wars dann auch mal wieder passiert. Ich musste an Toni denken und wir redeten kurz über ihn. Mom erzählte, dass er ihr auch am Anfang gefehlt hatte, dass sie manchmal nach Hause kam und pfiff und auf eine Antwort wartete. Sie erschrack sich sogar manchmal, warum denn kein Licht für ihn an sei. Für sie war Toni immernoch am Leben. Für mich hingegen nicht! Für mich war klar, dass er nicht mehr da ist. Er 2 Wochen später, nachdem wir von einer Weihnachtsfeier kamen, fing auch ich ihn an zu suchen. Ich ging ins Wohnzimmer, machte Licht an und sah zu seinem Platz. Er war weihnachtlich geschmückt und ein Foto von ihm stand da. Ich war zwar dagegen gewesen, dass dieser Platz so eingerichtet wurde, weil ich dachte, es würde zum Ausdruck bringen, dass wir auf seinen Tod feiern würden. Aber ich sah ein das dieser Gedanke quatsch war und war etwas später auch froh, dass es diesen Platz gab. Es war ein Ort neben seinem Grab, wo man trauern konnte. Anfangs konnte ich diesen Platz nicht sehen. Immer wenn wir etwas gegessen hatten, meidete ich diesen Platz. Von meinen Sitzplatz aus hatte und habe ich immer einen Blick auf Toni. Nun war es echt schwer diesen Platz zu sehen. Am Anfang stand da noch eine Blume. Und ich sagte trocken, das Toni sich wohl nun in eine Blume verwandelt habe und hoffte somit innerlich, dass diese Blume mal langsam wegkam,...
Plötzlich rieß Mom mich aus meinen Gedanken und meinte:" Weißt Du noch, warum Du ihn bekommen hast?" Wieder antwortete ich nicht! Klar ich wußte es, wie konnte ich das vergessen!
"Du hast ihn bekommen, als Du in die 5. Klasse warst. Das ist sehr lange her. Er sollte ein guter Freund für Euch sein und Dir durch die Kindheit helfen. Wir (meine Eltern) waren ja nicht so für Tiere, weil man dann nicht mehr verreisen kann und sie machen sehr viel Dreck,... Es dauerte aber nicht lange und auch wir hatten ihn ins Herz geschlossen. Und er hat seinen Job gut gemacht! Überleg doch mal, er Dich bis ins Berufsleben begleitet!" - Von da an, war es für mich entgültig aus. Ich konnte nix mehr sagen. ich merkte wie sehr sich mein Magen verkrampfte und mein Hals zu einem Kloß wurde. Ich hatte Mühe meine Tränen runterzuschlucken. Wieder war ich innerlich traurig und schien in einer anderen Welt zu sein. Der Geburtstag von meinem Bruder war jedenfalls für mich hin. Nur den anderen wollte ich ihn nicht verderben und hielt deshalb meine Gedanken für mich.
Am nächsten Tag ging es schon in den Urlaub. Zum ersten Mal nach Toni's Tod sollte ich wieder in den Urlaub fliegen. Urlaub hatte ich ja schon in diesem Jahr gemacht, aber geflogen bin ich schon lange nicht mehr. Ich bekam ein schlechtes Gewissen und fragte mich, ob ich wirklich glücklich sein kann? Musste Toni für mich das Opfer bringen und sterben, damit ich wieder in den Urlaub fliegen kann? Ich war fix und fertig.


Zingerbug on imikimi - Customize Your World

11.11.07 19:57

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